Eternit
Ein Dampfschiff aus Licht

Referenzobjekt

Ein Dampfschiff aus Licht

"Ein Neubau ist in der heutigen Zeit, in der Kirchen eher umgenutzt werden, etwas ganz Besonderes", sagt Paul Weiland, Superintendent der evangelischen Kirche in Niederösterreich. "Der Bau soll auch ein Zeichen dafür sein, was Kirche sein kann: transparent, einladend und offen." Zwar war das Budget mit 1,4 Millionen Euro knapp bemessen, doch an der Architektur sollte nicht gespart werden. "Nur ein Dach über dem Kopf reicht nicht. Wenn man heute eine Kirche neu baut, dann sind künstlerisch und architektonisch die Besten gerade gut genug", sagt Weiland.
Man begann zunächst mit der Suche vor der eigenen Haustür und wurde gleich ganz oben fündig: Bei Coop Himmelb(l)au.

"Wir haben herausgefunden, dass Wolf D. Prix hier in Hainburg aufgewachsen ist, aber hier noch nie etwas gebaut hat."
Ein winziges Budget, eine Grundfläche von gerade einmal 300 Quadratmetern, eingezwängt zwischen verputzte Altstadthäuser - es versprach eine ungewöhnliche Aufgabe zu werden für ein Büro, dessen weltweite Werke normalerweise als dynamische, der Schwerelosigkeit trotzen wollende Großskulpturen frei entfaltet auf Präsentiertellern stehen. Noch dazu in einer Formensprache, die eindeutig mehr dem Opulent-Barocken, ergo Katholischen, nahesteht als dem rationalen Protestantismus.

"Sicher, in das Konferenzzentrum, das wir gerade in China bauen, würde die Kirche 2000-mal hineinpassen," sagt Wolf Prix. "Aber auch ein kleines Bauwerk kann seine Umgebung total verändern." Das tut es zweifellos: Am Eck des Grundstücks schwingt sich wie eine elegant verbogene Stimmgabel ein schlanker Glockenturm empor, daneben faltet sich eine Glasfassade rhythmisch den Gehweg entlang, und darüber streckt das gewölbte, silbern schimmernde Dach dem Licht drei saugnapfartige Ausstülpungen entgegen. "Das 30 Tonnen schwere Dach haben wir in einer norddeutschen Schiffswerft fertigen lassen, per Tieflader durch
Hainburgs mittelalterliche Stadttore gefädelt und am Stück per Kran auf das Gebäude gehoben", erzählt Prix.

So weit, so spektakulär. Dennoch gebärdet sich das dreiteilige Ensemble nicht als Fremdkörper. Maßstäblich fügt es sich in die aneinander gewürfelten Häuserreihen ein, und seine Rundungen nehmen die Dachkrümmung des romanischen Beinhauses auf, eines Überbleibsels der alten Kirche, die bis ins 17.Jahrhundert auf dem Grundstück stand. Nur der prominent an der Straße platzierte eigentliche Kirchenraum gibt sich extrovertiert in Form und Material, während Gemeindesaal und Nebenräume puritanisch weißgetüncht fast schon zu bescheiden die Hainburger Putzfassaden ihrer Gegenüber übernehmen.
Textauszug: Newtroom/ Maik Novotny

Produkt

Baueternit gefräst von Firma Virtuell

Architekt

Coop-Himmelb(l)au, Wien

Bauherr

Evangelische Kirche

Fertigstellung

2011

Fotograf

(c) Duccio Malagamba und Eternit